Brustkrebs ist die weltweit zweithäufigste Krebsart und 2018 gab es laut World Cancer Research Fund mehr als 2 Mio. neue Fälle. Daher ist das Forschungsinteresse groß, herauszufinden, wodurch bestimmt werden kann, wie wahrscheinlich es ist, dass Frauen, die an Brustkrebs erkranken, überleben und wie sie auf Behandlungen reagieren.

Forscher der Cleveland Clinic Florida wollten herausfinden, ob mithilfe biologischer Marker – so genannter zirkulierender Tumorzellen (CTCs) – die im Blut vorhanden sind, der Ausgang von Brustkrebs vorhergesagt werden kann. Bei CTCs handelt es sich um Zellen, die sich vom Tumor abgelöst haben und in den Blutkreislauf, das Lymphsystem oder andere Körperteile, abgesehen von der Brust, gelangt sind, und mithilfe eines relativ einfachen Bluttests nachgewiesen werden können.

Die Forscher haben die Krankenakten von 4.846 Frauen, die von 2004 bis 2016 an Brustkrebs erkrankt waren, in der US-amerikanischen Krebsdatenbank (US National Cancer Database) analysiert. Sie haben insbesondere geprüft, ob es eine Verbindung zwischen dem Vorhandensein von CTCs im Blut und der Wahrscheinlichkeit gab, dass Patientinnen auf eine Chemotherapie ansprachen. Zudem haben sie untersucht, ob CTCs die Überlebensrate der Frauen mit der Krebsart „Hormonrezeptor-positives Mammakarzinom“ während des untersuchten Zeitraums vorhersagen können.

In rund einem von fünf Fällen der insgesamt 4.846 Fälle konnte das Vorhandensein von CTCs durch einen Test bestätigt werden. Das Vorhandensein von CTCs wurde stark mit einer allgemein geringeren Überlebensrate bei Brustkrebs im 3. und 4. Stadium in Verbindung gebracht.

Das Vorhandensein von CTCs war auch ein Indikator für eine erhöhte Überlebenschance, wenn die Hormonbehandlung bei HR-positivem Brustkrebs durch eine Chemotherapie ergänzt wurde.

Zu Vergleichszwecken haben die Forscher auch die Vorhersagefähigkeit eines anderen Biomarkers untersucht, so genannter disseminierter Tumorzellen (DTCs). Sie haben jedoch herausgefunden, dass das Vorhandensein von DTCs sich nicht auf die allgemeine Überlebenswahrscheinlichkeit oder den Nutzen einer Chemotherapie, weder in frühen noch in späten Stadien der Erkrankung, ausgewirkt hat.

Laut des Forschungsleiters Dr. Naseem Bilani, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Onkologie der Cleveland Clinic Florida, ergibt sich aufgrund der Ergebnisse die Frage, ob CTC-Tests Ärzten dabei helfen könnten, klinische Entscheidungen zu treffen.

Die Kurzfassung der Studie wurde im Rahmen des virtuellen Meetings der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2020 vorgestellt und kommt zu folgendem Schluss: „Die Studie weist darauf hin, dass der CTC-Status in den späteren Stadien von Brustkrebs ein stärkerer Prognoseindikator ist. Mithilfe des Status kann auch die Behandlung in den früheren Stadien der Erkrankung geleitet werden, da er Aufschluss über den Nutzen einer Chemotherapie geben kann.“

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Reference: Bilani, N et al. Prognostic and predictive effects of circulating and disseminated tumor cells in breast cancer: A National Cancer Database (NCDB) analysis. (Prognostizierte und prädiktive Auswirkungen zirkulierender und disseminierter Tumorzellen bei Brustkrebs: Eine NCDB-Analyse (National Cancer Database))

Kurzfassung Nr. 1029. J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 1029)

DOI:10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.1029