Bei den Behandlungsmöglichkeiten von Krebs gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass es viele effektive Medikamente gibt, die zur Chemotherapie eingesetzt werden können, um Krebserkrankungen zu behandeln und die Überlebensrate zu erhöhen.

Die schlechte Nachricht ist, dass einige Krebsarten zunächst effektiv mithilfe einer Chemotherapie bekämpft werden können, doch später eine Resistenz gegenüber dieser Behandlung entwickeln. Das bedeutet, dass diese Krebserkrankungen nicht mehr auf die angewandte Therapie ansprechen und sich weiter ausbreiten. Anders ausgedrückt entwickeln die Krebszellen eine Resistenz gegenüber der Chemotherapie. Wenn dies geschieht, sehen Onkologen die Behandlung als fehlgeschlagen an und die Medikamente müssen geändert werden.

Bei soliden Tumoren – Tumore, die sich in soliden Organen befinden, wie Brust oder Prostata – ist es schwierig, Marker zu identifizieren und auszuwählen, die zur Überwachung einer möglichen Resistenzbildung gegenüber einer Chemotherapie verwendet werden könnten. Das bedeutet, dass Patienten mit soliden Tumoren, die sich einer Chemotherapie unterziehen, dem Risiko ausgesetzt sind, dass die Behandlung fehlschlägt oder zu einem ungenügenden Ergebnis führt.

Es gibt vielerlei Studien, um herauszufinden, warum das geschieht. In einer kürzlich durchgeführten Studie haben Forscher nach so genannten C-TACs gesucht, zirkulierenden Zellen, die mit einem Tumor assoziiert werden. Diese Zellen sind resistent gegenüber den normalen Prozessen zur Zellvernichtung und weisen daher auf einen Tumor hin, der gegenüber einer Chemotherapie resistent ist.

Im Rahmen der Studie wurden Blutproben von 3.662 Personen mit unterschiedlichen soliden Organtumoren entnommen, von denen einige sich bereits in Behandlung befanden und andere nicht. Von den 1.325 Personen, die sich nicht in Behandlung befanden, zeigte mehr als die Hälfte der untersuchten Blutproben (56,3 %) eine Resistenz gegenüber Chemotherapie auf. Von den 2.201 Blutproben von Personen, die sich in Behandlung befanden, zeigten mehr als Dreiviertel (77,8 %) eine Resistenz gegenüber Chemotherapie auf.

Die höhere Resistenz der C-TACs bei Personen, die bereits eine Chemotherapie erhalten hatten, weist darauf hin, dass diese Zellen während der vorherigen Behandlung resistent geworden sind.

Die Forscher weisen darauf hin, dass diese Methode, die sie als Chemoresistenz-Profilierung bezeichnen, eine nicht-invasive Möglichkeit darstellen kann, um herauszufinden, ob eine Chemotherapie anschlägt, und um die Behandlung rechtzeitig anzupassen, bevor es zu spät ist.

„Die non-invasive Chemoresistenz-Profilierung von C-TACs stellt eine praktikable Strategie dar, um die Effizienz der Behandlung in Echtzeit zu untersuchen“, erklären die Forscher. Wenn diese Strategie später in Krankenhäusern angewendet wird, kann ihrer Meinung nach die Wahl der richtigen Behandlung dadurch unterstützt und das Risiko, dass eine Behandlung fehlschlägt, verringert werden. Zudem können Onkologen dank dieser Strategie zeitnahe Entscheidungen über Therapien bzw. Anpassungen einer Therapie treffen, wenn sie eine Resistenz gegenüber Chemotherapie erkennen.

Referenz: Akolkar DB et al. Liquid biopsies to enable non-invasive real-time functional chemoresistance profiling in solid organ cancers. (Liquid Biopsies zur Unterstützung der nicht-invasiven, funktionalen Chemoresistenz-Profilierung in Echtzeit für Tumore in soliden Organen.) J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 3525). DOI: 10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.3525.