In der ersten Studie dieser Art haben Forscher mithilfe eines einfachen Bluttests eine Möglichkeit gefunden, verschiedene Krebsarten zuverlässig in knapp 10.000 Frauen ohne diagnostizierte Krebserkrankung nachzuweisen. In einigen Fällen waren Frauen, bei denen der Bluttest vorgenommen wurde, in der Lage, eine Behandlung zu beginnen und die Erkrankung so möglicherweise zu heilen.
Die Forscher des Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore, Maryland, USA, sagen, dass es sich hierbei um die erste Studie handelt, bei der diese Art von Bluttest verwendet wird, um Menschen ohne eine nachgewiesene Krebserkrankung oder Vorgeschichte an Krebs zu untersuchen. Mithilfe des Tests konnte die Krankheit diagnostiziert und eine Behandlung empfohlen werden.
Dabei handelt es sich um eine Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy), einen nicht-invasiven Bluttest, mit dem bestimmte Krebsarten identifiziert und diagnostiziert werden können. Bei dem Test wird das Vorhandensein von mutierten Krebsgenen in DNA-Fragmenten festgestellt, die von Tumoren in den Blutkreislauf abgestoßen wurden (so genannte zirkulierende freie DNA oder cfDNA) sowie der Anteil spezifischer Krebsproteine im Blut, sodass bis zu 26 verschiedene Krebsarten diagnostiziert werden können.
In der Studie wurden 17 der 26 durch den Bluttest erkannten Krebsarten (65 %) in einem frühen Stadium diagnostiziert, bevor sich der Tumor ausgebreitet hatte. Von den 26 Patienten, deren Krebserkrankungen zuerst mithilfe des Bluttests erkannt wurden, verblieben 12 rund neun Monate nach der Diagnose in Remission und acht waren noch in Behandlung bzw. die Erkrankung war nicht weiter fortgeschritten.
Nachdem die Forscher den Bluttest genutzt hatten, um 26 verschiedene Krebsarten zu erkennen, haben sie die Diagnose mithilfe des so genannten PET-CT Scans bestätigt. Durch den Bluttest, gefolgt von dem PET-CT Scan, konnten 26 Krebsarten diagnostiziert werden – darunter Lymphome, Schilddrüsenkrebs, Lungen-, Nieren-, Dickdarm-, Brust- und Eierstockkrebs – mit einer Spezifität von über 99 %. Das bedeutet, dass der Test mehr als 99 von 100 Mal Personen korrekterweise positiv auf diese Krebsarten diagnostiziert hat. Die Forscher haben zudem bestätigt, dass die genetischen Mutationen von cfDNA, die durch den Bluttest erkannt wurden und zu einem positiven Testergebnis geführt haben, in 100 % der Fälle in der Krebsart vorhanden waren.
„Bei der Studie wurde PET-CT Imaging verwendet, um das Vorhandensein der Krebserkrankung in unabhängiger Weise zu bestätigen, genauso wie die präzise Stelle, an der der Krebs aufgetreten ist“, sagt Senior-Autor Dr. Nickolas Papadopoulos. „Beispielsweise waren wir in der Lage, Lungenkrebs zu erkennen und genau festzustellen, in welchem Lungenflügel sich die Erkrankung befand, konnten die Größe ermitteln und ob Metastasen vorhanden waren. Bluttests alleine reichen nicht aus, um solche detaillierten Angaben zu ermöglichen.“
Die Forscher haben den Test auch in Kombination mit konventionellen Screening-Methoden zur Erkennung von Tumoren in der Brust, im Dickdarm und der Lunge verwendet. Das Team sagte, dass die Verwendung bewährter Screening-Methoden zur Krebserkennung in Kombination mit dem Bluttest zu einer höheren Sensitivität (von 47 % auf 71 %) geführt hat, mit der diese drei Krebsarten diagnostiziert wurden.
„Aufgrund der Studie lässt sich ableiten, dass ein Bluttest zur Erkennung verschiedener Krebsarten zusätzlich zu standardmäßigen Screening-Methoden verwendet werden kann, da dies sinnvoll sein kann, um Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen“, erklärt Professor Anne Marie Lennon, leitende Autorin der Studie.
Der Bluttest wies jedoch eine wesentlich geringere Sensitivität (31 %) bei sieben anderen Krebsarten auf (Lymphknotenkrebs, Blinddarmkrebs, Gebärmutterkrebs, Schilddrüsenkrebs, Nierenkrebs, Eierstockkrebs und Krebs bei unbekanntem Primärtumor). „Dies unterstreicht die Wichtigkeit von Bluttests zur Erkennung verschiedener Krebsarten zusätzlich zu standardmäßigen Screening-Methoden“, erläutert Dr. Papadopoulos.
Die Forscher planen, alle 9.911 Studienteilnehmer fünf Jahre lang zu begleiten, da es wahrscheinlich ist, dass andere Krebsarten, die zu klein waren, um durch Imaging-Methoden erkannt zu werden, bzw. die durch den Bluttest einfach nicht erkannt wurden, bei diesen Personen im späteren Verlauf auftreten. Der Test bleibt weiterhin ein Forschungsinstrument und ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht erhältlich. Die Studie wurde im Rahmen der virtuellen Konferenz der American Association for Cancer Research vorgestellt.
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Referenz: Lennon AM et al. Feasibility of blood testing combined with PET-CT to screen for cancer and guide intervention. (Durchführbarkeit von Bluttests in Kombination mit PET-CT, um Krebserkrankungen festzustellen und Ansätze für die Intervention zu erhalten.) Science 28. April 2020: DOI: 10.1126/science.abb9601
